Im Bezirk Mitte wird es eng

Sparziel verfehlt - mehr Platz für Büros benötigt

von Hans-Jürgen Redlich | 20.07.2010

Seine im Konsolidierungskonzept festgelegte Einsparung von vier Millionen Euro jährlich wird der Bezirk Mitte vermutlich nicht erreichen. Ab 2013 muß der hochverschuldete Bezirk vier Millionen Euro Gebäudekosten einsparen.

Finanzsenator Nußbaum hat nur unter dieser Bedingung dem Altschulden-Moratorium zugestimmt. Flächen werden „verdichtet“, damit Bürohäuser geschlossen werden können. Die knapp 3000 Mitarbeiter sollen vor allem in den Rathäusern in der Karl-Marx-Allee, Müllerstraße und Turmstraße konzentriert werden. Alle müssen enger zusammenrücken, pro Arbeitsplatz sollen maximal 13 Quadratmeter zur Verfügung stehen. Fünf Bürogebäude sollen aufgegeben werden, dazu etwa zwei Dutzend anderweitig genutzte Bezirksimmobilien.

Zu groß für Einen – zu klein für Zwei

Jede Abteilung kämpft um seine Quadratmeter, denn die meisten Chefs beanspruchen mehr Fläche. „Dann können wir nicht alle Gebäude abgeben", sagt der für Immobilien zuständige Stadtrat Garsten Spallek (CDU). Derzeit wird nur ein Durchschnittswert von 15 Quadratmeter pro Mitarbeiter erreicht. Das liege zum Teil an den vorhandenen Raumschnitten. Die Räume im Rathaus-Altbau an der Müllerstraße seien zum Beispiel „zu groß für einen, aber zu klein für zwei", sagte Spallek.

Auch hätten einige Ämter „Sonderbedarf gefordert, weil manche Kunden zum Beispiel im Sozialamt mit Dolmetscher und Angehörigen anrücken. Fest steht, dass zum Jahresende die Bürogebäude in der Rahtenower Straße 16 (Jugendamt) und in der Seestraße 49 (Personalamt) geschlossen werden. Das Vermessungsamt hatte gegen die Schließung seines Hauses in Alt-Moabit 82 B protestiert, weil es sich vor 2013 wegen viel Arbeit keinen Umzug leisten kann. Diskutiert wird derzeit auch heftig über die Schließung des Neuen Stadthauses in der Parochialstraße 1-3. Neben dem Standesamt residiert hier die Bezirksverordnetenversammlung (BW) im großen Otto-Suhr-Saal. Die Fraktionen haben hier etliche große Räume.

Mehrfachnutzung angestrebt

Als Alternativstandort ist die geschlossene Brecht-Bibliothek im Rathaus in der Karl-Marx-Allee 31 (die war früher schon mal BW-Saal), der kaum genutzte Walther-Rathenau-Saal im Rathaus Wedding und der ebenfalls meist ungenutzte alte BW-Saal im Rathaus Tiergarten im Gespräch. „Hier könnten die Räume besser ausgelastet werden", sagt Spallek.

Am Tage könnte das Bezirksamt zum Beispiel den Balkonsaal für Sitzungen nutzen, abends die BW-Fraktionen. In der Parochialstraße hingegen stünden die Fraktionsräume leer, wenn die Bezirksverordneten nicht da sind. „Das Bezirksamt ist nicht in der Lage, ein Raummanagement bei Mehrfachnutzungen zu organisieren", befürchtet Grünen-Chef Frank Bertermann. Ihm und den anderen Fraktionschefs hat Spallek letzten Freitag die BW-Umzugsvarianten „zum ersten Mal vorgestellt", so Bertermann. Exakte Raumpläne habe es nicht gegeben. „Das ist alles nur Stückwerk", sagt der Grüne zum „Umzugschaos".

Rückzug auch in der Müllerstraße

Spallek will auch den Neubauturm am Rathaus Wedding abgeben, in dem sich auch sein Büro befindet. Der Bezirk müsste aber zumindest das Erdgeschoss behalten, weil dort das Bürgeramt untergebracht ist. Auch den zum Rathaus-Ensemble gehörenden Flachbau, indem seit ein paar Jahren die Schillerbibliothek ist, „könnte man zurückmieten", nennt Spallek eine Variante. Die kalkulierte Einsparung von 1,7 Millionen Euro jährlich für diese zwei Gebäude sei dann aber nicht realisierbar. „Spätestens im September muss das Thema durch sein", drängt Spallek auf Entscheidungen.