Klein, aber (halb-)fein
von Sarah Geißler | 15.04.2010
Erziehungsratgeber und Rock ’n’ Roll- Memoiren, die lutherische Übersetzung der Bibel und „Meine 365 Liebhaber“ von Josefine Mutzenbacher, politische Bildbände und Kochkolumnen. So bunt und abwechslungsreich ist das Programm des kleinen Verlages Rogner & Bernhard, der seinen Sitz in der Inselstraße in Berlin hat. Zwei Merkmale zeichnen alle Bücher aus: „Die Klammer ist immer die Qualität und der eigenwillige Ansatz“, erklärt die Geschäftsführerin Johanna von Rauch.
Für Qualität sprechen auch die Autoren bei Rogner & Bernhard: Nick Hornby, T.C. Boyle, Douglas Adams. Letzterer ist mit seinen „Per Anhalter durch die Galaxis“-Bänden der Bestseller des Verlages. „T.C. Boyle und Nick Hornby haben wir für den deutschen Markt entdeckt. Nur leider sind sie inzwischen bei größeren Verlagen“, sagt Johanna von Rauch. Eine bekannte deutsche Autorin ist Alexa Henning von Lange, die ihr erstes Buch „Relax“ ebenfalls bei Rogner & Bernhard veröffentlichte.
Den eigenwilligen Ansatz entdeckt man zum Beispiel in dem Werk von Charlie English. In dem „Buch vom Schnee“ dreht sich alles um die weißen Flocken. Es geht um Schnee auf der ganzen Welt und wie er genutzt wird, wie die Menschen mit ihm leben, welche Bedeutungen er für sie hat. Ähnlich ungewöhnliche Herangehensweisen findet man auch in anderen Bücher von Rogner & Bernhard. „Der schwangere Mann“ beschreibt die Zeit der Schwangerschaft aus der Sicht eines Mannes, ohne sie zu romantisieren und lässt dabei auch Störendes, Unappetitliches und Peinliches nicht aus. Jeffrey Steingarten, der Mann, der alles isst, liefert in seinen Büchern nicht nur Rezepte, sondern auch die Geschichten dazu, die er auf seinem Weg zu kulinarischen Höhepunkten erlebt hat.
Im Wandel der Zeit
Klaus P. Rogner, Marianne Bernhard und Axel Matthes gründeten Rogner & Bernhard 1968 in München. Die Leidenschaft zur Literatur wird sie wohl zur Verlagsgründung bewegt haben. Denn das große Geld konnte man mit kleinen Verlagen eigentlich noch nie machen. Das musste auch Rogner & Bernhard spüren. „Knappe Zeiten gab es nicht nur in der Anfangsphase, sondern auch später und es wird sie immer geben“, sagt Johanna von Rauch. 1973 drohte der Konkurs. Bei der Suche nach einem finanzkräftigen Partner wurde sogar mit Siegfried Unseld von Suhrkamp verhandelt. Rogner & Bernhard erwarb dann aber der Verleger Heinrich Ellermann und seine Tochter Antje. Diese übernahm nach dem Ausscheiden der Gründer den Verlag und siedelte ihn nach Hamburg um. Im April 2004 gab es erneut einen Orts- und Personenwechsel: Es ging nach Berlin und die Lektorin Johanna von Rauch sowie die Journalisten Konstantin Richter und Jakob Augstein übernahmen jeweils dreißig Prozent der Verlagsanteile. Antje Ellermann und Nikolaus Hansen, der den Rowohlt-Verlag und marebuchverlag leitete, sind mit zehn Prozent beteiligt.
Geändert hat sich im Laufe der Zeit auch die Verkaufsstrategie. Die Bücher gibt es nur noch in den Zweitausendeins-Geschäften oder über deren Versandhandel zu kaufen. Kunden, die nur die großen Buchhandlungsketten aufsuchen, wird man so wohl schwer erreichen. Das nimmt Rogner & Bernhard in Kauf, schließlich spart die Kooperation Arbeit und Zeit. „Wir brauchen keine Vertreter, die Mühe haben, in die großen Buchhandlungsketten vorzudringen. Wir kennen unser Publikum genau und können deshalb auch erfolgreiche Bücher machen“, beschreibt Johanna von Rauch die Vorteile der Kooperation. Buchhandlungsketten interessieren sich oft nur für Bücher, von denen mindestens 10.000 Exemplare verkauft werden können. Das ist für so kleine Verlage wie Rogner & Bernhard gar nicht realisierbar. Die Bücher erscheinen meistens in einer Auflage von 3.000 Stück, bei Bedarf wird nachgedruckt.
Der momentan größte Erfolg für den Verlag ist das Buch eines amerikanischen Philosophieprofessors, der einen Wolfswelpen aufgezogen und darüber geschrieben hat. Mark Rowlands erzählt von den Unterschieden „zwischen Tier und Mensch, Natur und Zivilisation und darüber, was man als Mensch von einem Wolf alles lernen kann“, sagt Johanna von Rauch.
Für die Zukunft wünscht sich Johanna von Rauch einen florierenden, unabhängigen Verlag mit schwarzen Zahlen, zufriedenen Mitarbeitern und einer zufriedenen Leserschaft. Wenn die Rogner & Bernhard-Verleger ihrem Ziel, interessante, schöne und originelle Bücher zu machen, treu bleiben, können sie das sicher erreichen.
Rogner & Bernhard im Internet: www.rogner-bernhard.de
Rogner & Bernhard bei Zweitausendeins: http://www.zweitausendeins.de/artikel/nur_bei_uns/rogner_bernhard/




