Zwiespältiges Vodou

 von Ole Scherrer | 23.06.2010

Das Ethnologische Museum Dahlem will mit seiner Schau „Vodou - Kunst und Kult aus Haiti“ Vorurteile abbauen. So faszinierend die gezeigten Objekte auch sind, fremdartig bleiben sie und werfen zuweilen mehr Fragen auf, als sie beantworten können.

Das bewusst in der haitianischen Schreibweise gehaltene Wort „Vodou“ bedeutet soviel wie Gott. Das Vodou ist mit aus Westafrika stammenden Sklaven nach Haiti gekommen und vermischte sich hier mit Katholizismus und indigenen Religionen der Taino.
Etwa 80 Prozent der haitianischen Bevölkerung gehören zwar der katholischen Kirche an, aber bis zu 90 Prozent glauben auch an die Götter und Geister des Vodou.

Als Auftakt wird ein Video einer Vodou-Zeremonie gezeigt. Durch Trommeln und Gesang werden die „Iwas“ beschwört, die dann in die Körper der TeilnehmerInnen fahren. Iwas sind Geister, mit deren Hilfe Menschen in Kontakt mit Gott treten können. Gott selbst allerdings gilt als unerreichbar und wird auch nicht bildlich dargestellt. Angeleitet werden die Zeremonien von einem Priester, „houngan“, oder einer Priesterin, „mambo“. Die hier gezeigte Zeremonie findet im Freien statt, meist allerdings werden sie im Tempel, dem Ounfo, durchgeführt.
Leider wird man dem Handeln der Vodou - AnhängerInnen völlig kommentarlos ausgesetzt, so dass man als Außenstehender nie wirklich im Bilde ist, was auf dem Bildschirm gerade geschieht.

Als erster Höhepunkt der Ausstellung tritt eine Gruppe von Iwa-Darstellungen auf. Hier leistet die Ausstellung mit Informationen zu den einzelnen Geistern durchaus Aufklärungsarbeit. Faszinierend sind die verschiedenen Einflüsse, wie zum Beispiel biblischer Figuren, die man in den als Skulpturen, Puppen oder auf Flaggen dargestellten Iwas entdecken kann.

Ein weiterer Raum ist den sogenannten „Pake“ gewidmet. Bei ihnen handelt es sich um reich verzierte Behältnisse wie Flaschen oder Krüge, in denen magische Substanzen aufbewahrt werden. Diese Substanzen bestehen aus pflanzlichen und tierischen Zutaten. Das Wort Pake leitet sich von dem französischen Wort für Paket, paquet, ab. Mit ihnen soll Feinden Schaden zugefügt werden.

Wie bereits erwähnt, spielen auch Flaggen und Trommeln in den Vodou-Zeremonien eine wichtige Rolle. Die meist reich verzierten Flaggen repräsentieren jeweils einen Iwa und werden in einem getanzten Ritual in den Hauptraum der Vodou-Tempel, dem péristyle, gebracht. Hier werden die Zeremonien abgehalten. Die Trommeln spielen Rhythmen und Lieder, die jeweils den einzelnen Iwas zugeordnet sind.

Auch Spiegel werden von Vodou-PriesterInnen verwendet. Mit ihnen ist es möglich, Kontakt mit der Geisterwelt aufzunehmen. Die in der Ausstellung gezeigten Exemplare beeindrucken durch Größe und den zahlreich angebrachten Gegenständen, unter denen sich auch menschliche Schädel befinden. Bei einigen handelt es sich um modifizierte barocke Exemplare, andere sind spezielle Anfertigungen.

Als abschließendes Highlight der Ausstellung wird die „Bizango-Armee“ präsentiert. Bei der Bizango handelt es sich um eine Vodou-Geheimgesellschaft, aus dessen Umkreis sich die meisten hier gezeigten Objekte befinden. Diese Gesellschaften sind hierarchisch aufgebaut und spielten eine wichtige Rolle im Widerstand gegen die Kolonialisierung Haitis durch die Franzosen. Die gezeigten lebensgroßen Figuren reichen von Hauptmännern bis zu Scharfrichtern. Leider erschließt sich ihre Funktion nicht ganz, handelt es sich bei ihnen doch augenscheinlich nicht um Iwas.

Ziemlich missglückt ist leider die Ausstellungsarchitektur. Sie besteht aus einem Labyrinth von Pressspanplatten, so dass man sich zuweilen in einer Art besseren Geisterbahn wähnt. Auch das zum Schutz der gezeigten Objekte sicherlich angemessene gedimmte Licht ist dem Abbau von (negativen) Vorurteilen gegenüber dem Vodou nicht sehr zuträglich.

So verlässt man die Ausstellung schließlich mit gemischten Gefühlen, bei denen Faszination und Gräuel nahe beieinander liegen.

Vodou.
Kunst und Kult aus Haiti

Di-Fr     10-18 Uhr
Sa,So   11-18 Uhr

Museen Dahlem
Lansstraße 8    
14195 Berlin